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schreibt und fotografiert von dort fort, wo Monacensis aufgebloggt hat.

Selbstgebackene Texte + selbstgeklickte Fotos
= die Poesie der Bloggerei

Folter und Freiheit

TheaterGeschrieben von Daniel Graziadei Di, Februar 28, 2017 03:21:14


Die folgenden Eindrücke und Überlegungen beziehen sich auf das Stück

"BALKAN MACHT FREI"

gesehen im Marstall, einer Spielstätte des Residenztheaters München, am 27. Februar 2017.

[Die Bilder haben mit der Sache nichts zu tun.]



Zum Glück bin ich einfach hingegangen und hab nicht vorab die Kritiken gelesen. Genug, dass am Eingang gemunkelt wurde: Publikumsbeschimpfung und Waterboarding. Naja, den trailer hätte ich mir schon anschauen können, benötigt habe ich den aber auch nicht.

Schließlich war ich eineinhalb Stunden lang durchwegs gebannt am Mit- und Gegenfühlen. Was willst du sonst denn auch noch machen, wenn die Figur des Regisseurs (Franz Pätzold) erst vom besserwisserischen Intellektualismus deutscher Hochkultur (Leonard Hohm, Alfred Kleinheinz und Jörg Lichtenstein) bei Vertragsunterzeichnung gedemütigt wird, anschließend eine ganze Reihe an Säulenheiligen der deutschsprachigen Kultur abknallt, das Publikum als Regisseur aber auch als Schauspieler namens Franz beschimpft und auf verschiedenen Ebenen provoziert, um anschließend auf offener Bühne gefoltert zu werden? Was tun, wenn die Frage nicht mehr lautet: Ist das Spiel oder ist das Ernst? Sondern wenn die Frage nur noch schreit: Zuschauen oder eingreifen?


Befremdet finde ich mich sitzend, still. Während andere Aufhören! Stopp! Aufhören! schreien und eine runterrennt, auf die Bühne klettert, den Krug wegstellt und die Herren zur Rede stellt. Aber die Folterknechte machen bald weiter. Also noch zwei Jungs, sie schütten alles Wasser aus. Aber der Folterknecht füllt nach und fragt: Was wollen Sie damit erreichen? Wieder hör ich Stopp! Aufhören! Genug! Es reicht! Und fast möchte ich dagegenhalten. Und laut fragen, was schreit ihr heute hier nur weil ihr‘s Foltern sehen könnt? Wir sind doch zutiefst kompromittiert, stecken tief mit drin, per Geheimdienst beteiligt an der Folter von hunderttausenden von Menschen, jeden Tag in dunklen Anlagen auf diesem Planeten. Wir nennen das Kampf gegen den Terror, obwohl wir ihn säen. Aber ich schweige. Ich kann es ja eigentlich auch nicht mehr aushalten. Bin insgeheim dankbar für die, die wieder auf die Bühne stürmen. Bin stolz auf sie. Noch einmal. Jetzt mit Schere. Die Fesseln auf. Aus.

Sobald die Zuschauer von der Inszenierung zur Aktion gezwungen die Bühne entern und die vierte Wand durchbrechen, scheinen wir angelangt in einem Theater der Grausamkeit wie es Antonin Artaud als total durchdringendes Theater propagierte. Bestätigen sie dieses totale Theater oder klettern die mutigen Menschen, die sich in ihrem Versuch die physische Grausamkeit zu beenden auf die Bühne wagen, über das Theater der Grausamkeit hinaus?

Auf jeden Fall ernten sie für ihre gute Tat den Spott des Geretteten, der bald zu Germania im Hochzeitskleid mutiert und sich von ausländischen Interessen hart rannehmen lässt. Da ist es wieder, dieses ästhetische Wechselbad, das sich zum inhaltlichen, moralischen und existentiellen gesellt. Diese nationalistisch rassische und imperiale Ideologie, in ihrer derzeit beliebten Inszenierung als Opfer, tränkt die Miniaturen und ist das, was mir aufstößt und mich anwidert, bis in jenes letzte Bild, wenn Germania in die riesige Deutschlandflagge eingehüllt abtransportiert wird. Rot leuchtend, noch ein letztes Mal: BALKAN MACHT FREI. Dann Schwarz. Dann Applaus, erst zögerlich, ab dem ersten Soloapplaus für Franz Pätzold als Oliver Frljić, Franz, Germania dann herzlicher, stärker.

Ja ich frag mich, wieso wünsche wir uns, an unserem anfänglichen Klatschen und einigen Fragen beim Publikumsgespräch gemessen, doch ein erhebendes Propagandatheater? Und das, obwohl ich im Ansturm dieser Nationalismen und Rassismen leide und schäume wie selten, also weit stärker mitgerissen und involviert werde. Wieso erfüllt mich dieser intellektuelle Kampf gegen die Kraft des Rezitierten und dieser Kampf um eine persönlich körperlich-geistige Position oder Aktion im Angesicht einer Folterung erst in der Reflexion und nicht im Akt?

Vielleicht, weil das Ringen mit diesem Stück im Zuschauer erst mit Verzögerung abgeschlossen werden kann. Weil die Interpretation und Positionierung nach diesem Ansturm der theatralen Gewalt Zeit braucht, Latenz lebt. Dass wir als Konsumenten Komplizen sind, wurde uns schließlich gerade eben vom Wüterich zugeschrien und wir erlebten es neu mit jedem Wasserguss, mit jedem Spucken und Schnauben und Zittern und Röcheln und Husten des Gefolterten. Es zeigt sich also kein Ausweg, keine Lösung, was bleibt ist die Sicherheit, gerade eben aufgerüttelt an den offenen Wunden zu stehen und zwar keineswegs ungläubig staunend, sondern im offenen K(r)ampf.



Daher glaube ich in diesem konkreten Fall, so komisch das klingt und so selten ich diese Formate schätze, dass mir das Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung geholfen hat aus der Isolation der inneren Aufwühlung in verständliche Fragen zu finden. Es handelt sich um ein Publikumsgespräch in dem der Dramaturg und Übersetzer Götz Leineweber und die Schauspieler Leonard Hohm, Alfred Kleinheinz, Jörg Lichtenstein und Franz Pätzold nicht ihr Ego, sondern ein präzises Interesse an den Fragen des Stücks und der Zuschauer zeigen. Ein Gespräch in dem die Schauspieler eine tiefe und anhaltende Beschäftigung mit dem Entwicklungsprozess des Stücks offenlegen, das von ihnen aus der Improvisation heraus zu einem immer wieder neuen und unvorhersehbaren Ereignis mit dem Titel BALKAN MACHT FREI mitentwickelt wurde. Ein Stück, in dem es der Regisseur Oliver Frljić ganz ohne Deutschkenntnisse schafft, sein Theatermodell aus dem kroatisch-bosnischen Kontext einer kulturellen Übersetzung in den deutschen Kontext zu unterziehen. Dabei behält das Verfahren seine Direktheit und aufrüttelnde Kraft, wirkt in keinem Moment museal, sondern greift vielmehr auch in dieser deutschsprachigen Stückentwicklung die passiv genießende Zuschauerposition unerbittlich an.


Ich könnte es mir einfach machen und mit dem Spiegel sagen, dass "Oliver Frjics Wuttheater im Marstall" einen "Gipfel der Provokation" darstellt, aber ich finde das Stück ist eher ein Tsunami der Provokation und das auf der Bühne war dann erst das Beben. Aber Vergleiche und Metaphern fruchten nicht. Der Effekt lässt sich nicht bändigen.


Ich sage mir, solange es solches Theater und solche Theatermacher zu erleben gibt, gibt es noch ein drängendes Jetzt und eine weitende Zukunft, vielleicht sogar Hoffnung.



Zugleich frage ich mich aber auch, was mir geholfen hat den Anblick der Folter zu ertragen. Bin ich von der Gewalt des Terrors und Antiterrors abgestumpft, autistisch, kalt geworden? Oder war ich bloß zufällig vorbereitet, weil ich die Nacht zuvor den Trujillo-Roman La Fiesta del Chivo von Mario Vargas Llosa zu Ende gelesen hatte und meine Augen deshalb bereits vorab in Blut, Elektroschocks, Amputationen und Wiederbelebungen getränkte Komplizen eines Terrorregimes waren? Ich weiß es nicht, ist es denn wichtig? Die Dominikanische Republik, Deutschland und die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien sind Gebilde in denen die komplett entfesselte totalitäre Gewalt des Genozids und Massakers zu konkreten Zeitpunkten zutage trat. Das teilen sie allerdings mit vielen anderen Territorien und Grenzen, die Erde ist ein blutgetränkter Ort.



Und so spukt in mir die Frage weiter: Was bedeutet Balkan, und was macht/Macht und was frei? Und der Übersetzer in mir gräbt weiter nach einer Antwort auf die Frage was die Ersetzung von A durch B, also von Arbeit durch Balkan, und die Umwandlung dieses höhnischen Spruchs über‘m Lagertor in einen Theatertitel denn für Millionen von Konsequenzen mit sich bringt.





P.S. Wenn ich ehrlich bin, wünscht sich der Balkantourist in mir, bis zum Schlussapplaus und auch über die Diskussion hinaus, mehr Balkan. Aber der fehlt wohl eher mir als dem Stück. Alles andere ist eine Sehnsucht nach Exotismus, die im Gehaltsgespräch zu Beginn der Vorstellung bereits vorgeführt wurde.


Dennoch, auf meiner Suche nach Balkan stoße ich noch einmal auf den beherzten Eingriff eines kleinen Teils des Publikums: War diese Intervention auch eine Reinszenierung der Entscheidung zum Nato-Angriff unter deutscher Beteiligung von 1999? Jede Interpretation erscheint mir richtig und auch falsch, jede Aktion nichtig und wichtig zugleich. Perspektiven und Geschichten überschlagen sich, löschen und verdoppeln sich:

Als Frage

so offen wie ein Abgrund

in mir

das Stück




Daniel Graziadei 2017













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Im gleißenden Februar ein BildGedicht

Leben liebenGeschrieben von Daniel Graziadei Mi, Februar 15, 2017 23:41:43
So langsam geht's wieder, aber am Anfang war's schon hart.



Ne, nicht wegen dem, ja schon, dochdoch schon auch wegen dem, wegen der Sache mit dem neuen Imperator, aber eigentlich dachte ich grad bloß an ein viel kleineres, ja geradezu unbedeutendes Ereignis: Semesterende und das kurze Abflauen der totalen Ausbeutung. Also verordnet sich der Körper wie von selbst die Schlafdefizitminderung und ich geh schnell mit Vargas Llosa zum Einschlafen in den tropischen Regenwald, damit ich bloß nicht bei Sonder- wie Satiresendungen ein derart flaues Gefühl bekomme, dass an Einschlafen erst einmal nicht mehr zu denken ist.



Aber zum Glück erzwingt Körper als Teil der Natur inmitten einer menschgeteerten Umwelt die analoge Rückbesinnung. Also zurück ans karge Grau und Grün und Braun am Bach.



Da gleißt in echt das Februarlicht, da flirrt es und da kracht es recht.



Jaja, ich weiß, aber sag mir, wie soll ich das denn sonst bitteschön benennen?



Ein Licht in klarem Weiß gleißt Dir die Sorgen weg

und Ruhe wie Gelassenheit kriegen wieder Luft.







Oder anders gesagt: Majestic Magic Moment 'tis play of light.









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Frohe Feste alles Beste + 1 Funken

Leben liebenGeschrieben von dada Sa, Dezember 24, 2016 20:24:39



Zack!

Da geht ein Lichtlein an

da fängt ein Funke mit dem Werden an

zur Kerze zum Licht zum Leuchter zum Feuer zum Brand zur Schnuppe zum Stern zur Sonne

der ganze dunkle Winterhimmel vollverziert

mit Dankbarkeit und Segen

mit Friede und Liebe und Freude am Leben






Also Ausatmen

aus dem Hamsterrad

in den Moment fallen

Alles Hier alles Da

eine Umarmung ein Handschlag ein Augenblick ein Lächeln

angekommen in der Zufriedenheit der Dankbarkeit der Heiterkeit

diesem einen einzig- und großartigen Jetzt

ohne Gedanken an Gestern und Morgen Hoffnungen und Sorgen

nein Jetzt

ausgespanntes Grinsen

und ein Staunen

Raunen

vom Frieden

der jetzt austreibt

und der Liebe

die jetzt aufblüht

und der Zufriedenheit

die jetzt einfach da ist

und nichts vermisst

nein nicht einmal Lametta

vor allem nicht Lametta





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Statuengespräche

Leben liebenGeschrieben von Daniel Graziadei So, Oktober 23, 2016 05:10:59

So spricht sie mir im Grazer Volksgarten

während in Innsbruck zwei gebannt auf den Inn das andere Ufer oder in die Berg starren




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Das Ausgrenzungsgesetz wird abgelehnt

PolitricksGeschrieben von Daniel Graziadei So, Oktober 23, 2016 04:51:51



[Auf der Demo gegen das Ausgrenzungsgesetz
euphemistisch bekannt als bayrisches Integrationsgesetz
am 22.10.2016 in München]

#muc2210

Wir laufen

in So li da ri tät

und die ganze Welt

wird eins im Klatschen

im Vielschritt

im Aufschrei

für Respekt

und Liebe

und ner dicken Umarmung

Naja vielleicht nicht die ganze Welt

aber zumindest alle

die auf!machen

Herz Hirn und Maul

und Arme und Grenzen

Dem interessierten Passant

einem Herrn mit Hut und Anzug

schüttelt es ordentlich die Gehirnwindungen durch

als er von der jungen Dame mit Farbe

in den Gedanken erfragt dass sie no borders no nations

just flows of migrations sieht und denkt und fühlt

von Lucie über Ötzi und der Völkerwanderung bis ins Heute

Sie spricht keinem Fahnenschwur

keinen Ländern und Grenzen Legitimation zu

Hat stattdessen ein einfaches Credo

Wir sind alles Affen

vom Baum gefallen lausen wir uns gierig

und nein kein Stück Papier ist mehr wert als ein anderes

Alles tote Bäume

mit etwas Metall darin und Plastik drauf

Pass Pass Pass auf!

Und schon graust und schüttelt es ihn anders weiter

weil er da ein paar junge Männer liegen sieht gleich neben ihm

auf dem harten kalten Teer da liegen sie hingeworfen ungeschützt

unter den schwarzen Uniformen mit ihren Knieschützern Armschützern

Helmen und Kinnschützern und Eierschützern und extra dickem Stoff

Da wird fachmännisch reingeprügelt pamm! pamm! Buuuuuuh! pamm!

und entsetzt steht daneben der Herr gereizt zu Tränen

weil bei Provokation eben Einsatz

Tssssssschhhhh! Pamm!


Von der Bühne aus wird währenddessen

das Ausgrenzungsgesetz abgelehnt

mal wohlartikuliert mal im Genuschel

Zwischen den Beiträgen singen Amateure





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vergönnt. auch das nicht mehr

PolitricksGeschrieben von Daniel Graziadei Mi, September 21, 2016 19:32:11

München. Englischer Garten. Unterhalb des Monopteros. Am Wegesrand. Spätsommer.


Vor dem gepanzerten Müllkübel setzt die ältere Dame zum Selbstgespräch an: „San uns die Floschn a scho nimmer vergönnt!“ Späht noch einmal hinein und schlurft dann kopfschüttelnd weiter. Langsam, schwerfällig und vom Kummer gekrümmt.


Fast möchte man leise und resignierend zustimmen. Ja sagen. Ja, sehr verehrte Dame, die Flaschen nicht, ja selbst das Wasser nicht, das müssen Sie sich mal vorstellen, halten manche doch tatsächlich selbst das Wasser für kein Menschenrecht mehr, die sorglose Freude am Leben und die Genügsamkeit nicht. Das alles ist uns nicht mehr vergönnt, wir können bloß alles kaufen, viel mehr als wir brauchen, kaufen kaufen kaufen. Wenn, ja wenn wir das nötige Kleingeld haben. Was bedeutet vergönnt denn überhaupt noch? Ist uns überhaupt noch etwas vergönnt? Muss denn heut nicht alles profitabel sein und der Gewinn stets wachsen?


Vergönnt bleibt Ihnen nur noch das tägliche Altern. Der stete Zuwachs an Einsamkeit, Langsamkeit und Selbstgesprächen. Die Verzweiflung angesichts der eigenen Ohnmacht, des Hungers und des Schwindens der goldenen Zeiten in der wankelmütigen Erinnerung. Vergönnt ist uns die totale Entfremdung von dieser Masse aus zugespitzten Ellebogen und zornverzerrten Mäulern auf rechthaberisch. Nein, sonst ist uns nichts mehr vergönnt.

Und doch steht uns alles offen. Hinter diesem Park weiten sich irgendwo die Wiesen in die Wälder und Berge und einen Horizont der sich da öffnet in die Möglichkeiten.



Daniel Graziadei 2016

[Die Bilder sind an anderen Orten und doch in ähnlichen Zeiten entstanden.]



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Brenner

AuftritteGeschrieben von Daniel Graziadei Mi, Juni 29, 2016 18:57:34
Ich habe auf dem Brenner gelesen

im Niemandsland

mit Uniformen im Rücken

und Menschen mit bunten Herzen vor mir auf dem gemähten Hügel unterm Wald.

Das hat gut getan.

Da konnte ich lesen was raus muss.

Lose für Grenzen zum Beispiel.

Das habe ich für den Balan Slam wieder ausgepackt und aufgefrischt.

Stammt aus 2009. Ist jetzt aktueller als damals.

Hört selber:

Bilder zur Kundgebung finden sich hier.

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Montäglicher Autoritarismus

PolitricksGeschrieben von Daniel Graziadei Di, April 12, 2016 02:29:15






An jedem gegebenen Montag

Dehnungsübungen in demokratischem Grundrecht

unter der Beteiligung von

- den gröhlenden Spaziergängern vom Angsthasenzüchterverein

- ihren bunt pfeifenden Gegnern von der grenzenlosen Solidarität

- der Überzahl an schwarzgepanzerten Organen der Macht

im abgesperrten Zentrum der Weltstadt mit Herz

bei Sonnenuntergang












...

eigentlich willst du nur heim

aber auf deinem Heimweg stehen schwarz uniformierte Hundertschaften

um dem örtlichen Angsthasenzüchterverband eine fette Amplifikation

von der Breite und Länge einer ganzen Prunkstraße zu bieten

abschließende Denkmäler von mehrdeutiger Qualität inklusive





Also hin zu den Gegnern um zur Zahl und zum Zeichen zu werden

Gesicht zeigen für die Kameras der vorsorglichen Registrierung

und laut pfeifen wenn graue Männer am Mikrophon vom Welken schwärmen

und vom Patridiotismus der bei ihnen jetzt ganz rüstig blüht








Wird bebend versichert, dass sich die Natur im Altern dem Fahnenstolz beugt

was bleibt dann den jungen und junggebliebenen Herzen noch zu erwidern

außer n Schulterzucken, n Beileid und ein handgemachtes Plakat aus Hoffnung

Was bleibt außer gelassen und bestimmt zu bleiben und bella ciao zu singen

wie Moorsoldaten hinter angemeldeten Spaziergängern herzuwanken

umkreist und gefilmt von den schwarzen Blocks der Staatsgewalt

bis sich einige einfach nur hinsetzen und dem Folgen ein Ende bereiten









Mitten im Kessel mit aufgeweckten Menschen über Autoritarismus diskutieren

und einen autoritären Befehlstonfall von allen Seiten greinen hören

Egal ob ihr uns mit Wacht auf! oder Hinsetzen! oder Räumen! anherrscht

das klingt alles wie'n gescheiterter Überzeugungsversuch







Und da sag ich freundlich bestimmt und im Reflex reflektiert

Nein danke, passt schon, ich bleib dann mal träumen





















2356110416 MUC

Daniel Graziadei













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im verfluss der stetigen ränderung

Leben liebenGeschrieben von Daniel Graziadei Sa, Februar 27, 2016 19:12:46
Dies ist ein Ausschnitt aus meinem Text "im verfluss der stetigen Ränderungen" der für die jüngste öffentliche Performance des mo|men|tos Projekts entstand.

Die Fotos und Bildgedichte sind an einem Samstagabend entstanden und basieren auf die Bilder, die ich am Freitagabend in Giesing geschossen habe.






gibt es stillstand denn überhaupt

oder sind dein leben

deine aufmerksamkeit

dein segen

nur zur kurz oder zu schwach

um zu sehen

zu lauschen

zu staunen



das atmen der steine



das summen der erde?




expansion und kontraktion

ausweitung und einengung

auskehr und einkehr


ein wabern im dazwischen


all ist bewegung all ist schwingung und selbst das nichts

dazwischen schrumpft und weitet

in breiten bögen dem zittern zu



im verfluss der stetigen ränderung

mäander ziehen furchen

in die stirn und die grinsefalten

in herz und hirn

mäander ziehen schleifen in die kruste

still liegt die erde und bewegt sich doch

still strahlt der mond und er dreht sich doch




offen liegt

das danach im fluss aus davor

zittern aus jetzt

schwingen im hier

ein ohrenblick aus auf merk! sam keit


bereit?



zwar wär ich gern hamlet

aber meine frage klingt anders

to be or yes to be, that is the question


zwar hätt ich gern 'n omlett

aber meine antwort klingt anders

esta vida, un movimiento

pensamiento
brillante de la estrella danzante


dieses leben

ne bewegung

der brillante gedanke eines tanzenden sterns







Daniel Graziadei









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De.Montage

PolitricksGeschrieben von Daniel Graziadei So, Januar 31, 2016 05:38:18


Auf einem Platz, von dem, so schrie ein markiger Stimmimitator unlängst, schon einmal eine Bewegung ausging, wird wieder demonstriert. Er war mit gräulich schluckender Ausstrahlung aufgetreten und hat seine ganze Rede durch gejault und geheult wie man es aus alten Aufzeichnungen von einem hasserfüllten Mann mit etwas kurz geratener Rotzbremse und irrlichternden Augen kennt. Abgeschottet durch Zäune und gepanzerte Ordnungshüter, die alle kritisch und aufmerksam nach außen schauen, marschieren innen Tiraden auf die Politik und eben jenes System auf, das ihre Redefreiheit garantiert.


Auch in mir marschiert was auf: ohnmächtige Wut. Wir hatten doch aus dem rohen Anblick der Auswüchse unserer eigenen Grausamkeit gelernt und geschworen: Nie wieder! Aber eingezäunt steht da eine fahnenwehende Gruppe, die mit den Symbolen und Slogans eines unterlegenen Totalitarismus kokettieren. Dass sie diesen größenwahnsinnigen und zugleich selbstmörderischen Vergleich anstreben, erscheint mir traurig und lächerlich, ewiggestrig eben. Aber sie kommen sich dabei geil vor.


Ich versuche mich zu beruhigen. Ich versuche mir zu sagen, dass das nunmal so sei, wenn die Kommunikation zusammenbricht, wenn das Aufziehen rhetorischer Grenzen in verhärtete Fronten und die Gehörlosigkeit führt. Du hast es doch einst gelernt, sag ich mir: The breakdown of communication can cause wars. Aber das mit dem Beruhigen gelingt mir heute hier auf diesem Platz nicht so recht. Pffft! entfährt es mir plötzlich empört. Can cause wars. Das hätten sie so gerne, mit ihrer beschissenen Bürgerkriegsandrohung!


Leider wird eine jede Blähung dieses Größenwahns sofort von den Sensationsjournaillen aufgesaugt und die Medien der institutionalisierten Meinungsfreiheit, für die wir unser vierteljährlichen Ablass zahlen, folgen unauffällig mit Fragezeichen statt Ausruf. Schwupps! am nächsten Tag, so gegen Mittag, sind die Themen bei den Populisten der Regierungsparteien angelangt. Umsonst warnen nachdenkende Oppositionsparteien davor, dass dieses Drohen und rhetorische Zündeln bereits zunehmend in Brandanschläge, Terror und Landfriedensbruch übersetzt würde. Der Rechtsdruck führt zum Rechtsruck der halben Parteienlandschaft und ein Jahr später sind die Hirngespinste der besorgten Spaziergänger zu politischen Machtfragen demokratischer Parteien geworden. Wer in die politische Landschaft schaut, findet dort wo einst eine Mitte und ein Konsens blühten: verödete Landschaften. Dieser reflexartige und unhinterfragte Rechtsruck der Opportunisten hinterlässt mich fassungslos. Wieso hat das angstvolle Geifern mehr politisches Gewicht als ihre menschenrechtstreuen Entgegnungen? Wieso skizzieren die Politbarometer eine einsame Kanzlerin, wenn Millionen Menschen täglich dazu freiwillig und arbeitsmäßig beitragen, dass wir es schaffen, einen Bruchteil der Geflüchteten, die in Libanon, Jordanien und der Türkei auf ein Ende des Kriegs und Terrors warten, menschengerecht zu behandeln.


Wütend macht mich aber nicht nur diese ungleiche Wertung der Proteste, sondern auch diese Gummiwand aus Propaganda und gegenseitiger Diffamierung auf der Straße und auf den Datenautobahnen. Es gibt keinen gleichberechtigten Austausch zwischen Menschen, die sich entweder für aufgewacht oder für aufrecht halten und ihre Gegner entweder als gehingewaschene oder als unterbemittelte Idioten herabwürdigen. Da können selbst die Eiche und das Springkraut besser miteinander kommunizieren. Zugegeben, es ist die Unmöglichkeit, die andere Seite mit Argumenten zu überzeugen während sie sich mit agitatorischem Populismus bei viel zu hoher Lautstärke weiter anheizt, die mich gereizt und mit rein symbolischen Parolen auf der anderen Seite des Viehzauns stehen lässt.



Mein Missmut wird dank der um mich herum skandierten dumpfen Forderung „Haut ab!“ auch nicht gelindert. Was ist denn das für eine Gesprächskultur und im übrigen sollten wir doch längst mitbekommen haben, dass die dauernd unverbessert wiederkommen und jedes Mal ganze Straßenblöcke still gelegt und viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. Wieso sind wir nicht kreativer im Umgang mit den Totalitarismen und Extremismen, wieso kennen wir nur die stumpfen Waffen des Verbots und der Gegenprovokation?


Unsere selbstgerechte Machtlosigkeit wird mir viel zu unschön deutlich und die ohnmächtige Wut auf diese verkorkste Situation nimmt zu statt ab. Das, so scheint es auf den ersten Blick, habe ich mit denen da drinnen gemeinsam. Aber nein, getäuscht. Kurz reflektiert und schnell erkannt: Das stimmt ja schon lange nicht mehr. Die hinterm Zaun wirken mit ihrer dumpfbackenen Angst ja schon lange ins Staatsgeschäft hinein und werden immer geiler und geifernder. Ich frage zwei der gepanzerten Ordnungshüter, ob ihnen denn bewusst sei, dass der Feind der Demokratie zu deren Schutz sie ausgezogen sind, hinter ihnen stehe und nicht vor ihnen. Keine Antwort.



Am liebsten würde ich allen So wachen Sie doch bitte auf! zurufen, aber der Sinn vom Aufwachen ist gerade zu umkämpft, um ungerahmt eingesetzt zu werden. Denn wenn Aufwachen, so wie es hinter dem Zaun propagiert wird, ein Aufwachen in den blinden Hass, die gezielte Lüge, die konstruierte Opferrolle und die gleichzeitige Androhung einer Lynchjustiz bei herbei phantasierter Machtergreifung ist, dann bin ich lieber beim Zuwachen, weil wenn Aufwachen nix mit Liebe und friedlichem Zusammenleben und optimistischer Großherzigkeit ist, dann kann mir das gestohlen bleiben.


Denn ich weiß ganz genau: Angst ist Gift. Hass ist Gift. Neid ist Gift. Gift ist nicht gut. Atme frei. Du bist. Du bist so wie du bist für eine kurze Zeit lang da auf diesem Planeten. Ein Staubkorn im Universum. Jeder andere auch. Für eine kurze Zeit auf dieser Erde. Also komm mal wieder runter und leg das Großgetue und die Gier und den Stolz und die Meinungshoheit, aber auch den Neid und die Angst mal schön wieder ab. Deine und meine Wut gleich noch mit dazu. Atme.





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